Am Abgrund

18.07.2016
Gestern ging es gemütlich zu. Wir waren ein bisschen bummeln, Seilbahn fahren und Aussicht gucken. Fast könnte man sagen: Senioren-Programm. Ich habe eh das Gefühl, dass wir hier in der Gegend das Durchschnittsalter der Touristen drastisch senken. Trotzdem war für Nervenkitzel gesorgt. Später mehr dazu.

Der Tag begann erstmal mit einem Frühstück auf dem Balkon. Ja, Balkon. Wir sind nicht wieder zurück ins Zelt gezogen. Abends wird es hier immernoch recht kühl und irgendwie haben wir uns jetzt an das bisschen „Luxus“ der Ferienwohnung gewöhnt. Manchmal kommt es eben anders als man denkt. War trotzdem gut, dass wir die Campingstühle und Tisch mitgenommen haben. Die dienen uns jetzt als Balkon-Mobiliar.

Wir sind dann zum Bummeln nach Garmisch gefahren. Die kleine Fußgängerzone dort ist recht nett. Und endlich ist auch meine Suche nach einem passenden Mitbringsel zu Ende. Es gab einen Laden, der nicht nur völlig bescheuert verkitschte Bierkrüge anbot, sondern auch eine praktische Variante, die trotzdem nett aussieht.

Nach einer kleinen Stärkung mit Weißwurst und Brezen ging es dann zu unserem eigentlich Ziel. Mit der Alpsitz-Bahn auf den Osterfelderkopf. Zum „Alpspix“. Eine Aussichtsplattform an Rande der Alpsitz-Nordwand. Der Clou: Die Plattform ragt freischwebend über den Abgrund. Unter der Plattform: 1.000 Meter Abgrund.

Nichts für allzuschwache Nerven. Vor allem da der Boden der Plattform aus „offenen“ Stahlgittern besteht. Man kann schön durchgucken. Je weiter man sich an den Rand wagt, umso mehr spürt man auch die Vibration und leichte Bewegung, die die Besucher auf der Stahlkonstruktion verursachen. Ein abgefahrenes Gefühl. Wer Höhenangst hat, macht hier lieber einen Bogen drum.

Leider war das Wetter uns nicht so ganz gewogen. Es hat zwar nicht geregnet, aber es war ganz schön diesig und die Berge versteckten sich fast immer hinter dichten Wolken.

Vom Osterfelderkopf, der auf 2.000 Metern Höhe liegt, kann man mit der „Hochalm-Bahn“ einmal quer am Hang entlang zur „Hochalm“ (keine Ahnung wie das genau hieß), 300 Höhenmeter tiefer fahren. Haben wir gemacht. Und waren in der recht großen Gondel fast alleine. Wir waren erst etwas verwirrt. Es stand die Gondel in der Station, davor ein Bediensteter der Seilbahn-Gesellschaft. „Wann fährt die nächste Bahn?“ wollten wir wissen. „Wenn wir Fahrgäste haben“, alles klar, „Zwei haben Sie jetzt“ sagten wir und dachten, dann warten wir mal, bis noch mehr Leute kommen.

„Dann mal los“ hieß es stattdessen. Eine amerikanische Familie hat es dann ebenfalls noch in die Gondel geschafft. Überhaupt sind viele Amerikaner hier in der Gegend. Liegt das an den ganzen US-Army-Stützpunkten? Oder weil Bayern dereinst amerikanische Besatzungszone war? Es ist jedenfalls klar, warum in den USA das Bild der Deutschen aus Bergen, Bier und Lederhosen besteht.

Als wir die Tickets für die Seilbahn gekauft haben, wurde uns empfohlen von der Hochalm zur Kreuzeck-Alm zu laufen und von dort mit der Kreuzeck-Bahn wieder ins Tal zu fahren. Der Weg sei nicht länger als eine halbe Stunde. Und tatsächlich. Obwohl wir eigentlich immer länger als angegeben brauchen, diesmal kamen wir 3 Minuten vor der angegeben Zeit am Ziel an. Das musste natürlich mit einem Bier gefeiert werden.

Die Kreuzeck-Bahn arbeitet anders als die Alpspitz-Bahn mit vielen kleineren Kabinen. So hatten wir eine Kabine ganz für uns und wurden förmlich Richtung Tal katapultiert. Das Ding hatte ganz schön Schwung. Auch diesen Nervenkitzel haben wir aber heil überstanden.

Zurück am Campingplatz haben wir das trockene Wetter genutzt, um das Zelt abzubauen. Es hat den langen und intensiven Dauerregen bestens überstanden. Weil trocken auch gleich warm bedeutet, war der Abbau ganz schön schweißtreibend. Ihr wisst was kommt, zur Belohnung gab´s ein kühles Bier.

Original-Beitrag vom 18.07.2016 mit Kommentaren:
http://www.pal.koeln/feiern-in-bayern/am-abgrund/

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