Auf dem Harzer-Hexen-Stieg

Wir sind zu einer kleinen Deutschland-Tour aufgebrochen. Zuerst geht es für eine Woche zum Wandern in den Harz. Danach über Malge in Brandenburg weiter nach Berlin, von da aus auf eine ausgedehnte Paddeltour auf der Mecklenburger Seenplatte. Und zum Abschluss wollen wir noch für ein paar Tage ans Meer. Wir haben einiges vor. Wer Bock hat, kann uns im Wanderpal folgen.

Für den Harz haben wir ein richtiges Wander-Wohlfühlprogramm gebucht. Manche sagen, was wir vorhaben sei „Alte-Leute-Programm“, andere sprachen von „Luxus-Wandern“. Aber man wird ja nicht jünger. Und sich mit 18 Kilo auf dem Rücken jeden Tag einen neuen Zeltplatz suchen, Duschen nur noch vom hörensagen kennen…ist auch schön, hatten wir aber diesmal keine Lust drauf. Also haben wir uns einen Reise-Veranstalter gesucht, Hotels buchen lassen und unser Gepäck wird ebenfalls von A nach B transportiert. Wir wandern gemütlich mit Tagesrucksack.

Weil es so schön zum Luxus-Wandern passt, haben wir uns dann auch für einen „anerkannten Prädikatswanderweg“ (das heißt tatsächlich so!) entschieden. Den Harzer-Hexen-Stieg. Der führt von Osterode nach Tahle, über den Brocken, einmal quer durch den Harz. Insgesamt etwa 95 Kilometer werden wir in fünf (oder waren es doch sechs?) Etappen erwandern. Ich persönlich freue mich sehr auf den Brocken und den Harz im Allgemeinen. Man hört nur Gutes, hier wollte ich schon immer mal hin.

Osterode liegt quasi am Fuße des Harzes und bildet das Tor in dieses Mittelgebirge. Unser Auto haben wir auf einem großen Wanderparkplatz abgestellt, zu dem wir am Ende der Wanderung ganz dekadent zurück geshuttlet werden. Am Fuße des Harzes bedeutet auch, dass erstmal einige Höhenmeter auf uns warteten. Raus aus Osterode ging es immer nur bergauf. Und irgendwie blieb das auch den Rest des Tages so. Vom Harz sagt man ja, es geht entweder rauf oder runter, meistens aber rauf und geradeaus kennt man nicht. Das können wir jetzt so bestätigen.

Das erste Stück des Weges folgt einem alten Eselspfad. „Früher“ starteten in Osterode Eselskolonnen, die die Harzer Bergvölker mit Getreide und allerlei anderen lebensnotwendigen Gütern versorgt haben. Folgerichtig haben wir dann auf dem Eselsplatz auch unsere erste kleine Rast gemacht. Und unseren ersten Stempel für die „Harzer Wandernadel“ kassiert. Da hat man außer einem guten Gefühl zwar nichts von, aber als Geocacher ist uns das Sammeln von Stempeln ja nicht ganz so fremd. Womit wir elegant beim Thema bleiben, denn Anja hat am Rande des Eselsplatz eine kleine Kletter-Einlage hingelegt und einen am Baum versteckten Cache für uns geborgen.

Auf dem Eselsplatz haben wir auch eine Gruppe junger Frauen getroffen, die ebenfalls den HHS (wie wir Insider jetzt sagen) wandern. Das war aber für den Rest des Tages tatsächlich die einzige Begegnung mit anderen Wanderern. Obwohl ich im Internet gelesen habe, der Weg sei hoch frequentiert und teilweise überlaufen, waren wir eigentlich die ganze Zeit allein im Wald. Vielleicht kommt das noch, wenn wir uns den Hotspots Brocken und Bodetal nähern.

Das Wetter meinte es übrigens gut mit uns. Kein Wasser von oben, dafür sehr viel Wasser um uns herum. Der Harz gilt als Trinkwasserspeicher für weite Teile Niedersachsens und sogar bis nach Bremen wurde und wird Trinkwasser geleitet. Und noch eine andere wichtige Funktion hatte das Wasser im Harz: Es war die Energiequelle für den Bergbau und die Verhüttung von Erz und anderen Metallen. Überall stößt man noch auf alte Kanäle, künstlich angelegte Teiche und Gräben. Offenbar war schon im 17. Jahrhundert für einen Ingenieur nichts zu schwör! Im Jahr 2010 hat die UNESCO die Anlagen der Oberharzer Wasserwirtschaft sogar zum Welterbe erklärt. Bildungs-Bloggen beim Wanderpal! Ich könnte jetzt noch erklären, wie man es damals geschafft hat, Wasser bergauf fließen zu lassen. Das sprengt hier aber den Rahmen. Der interessierte Leser greift nach der Lektüre dieses Beitrags zur Fachliteratur.

Über gemütliche Wege, meistens entlang von Wassergräben, sind wir dann unserem heutigen Ziel entgegen gewandert. Dem Wanderparkplatz Polsterberg. Wir hatten uns von unterwegs telefonisch gemeldet und nur wenige Minuten nachdem wir den Parkplatz erreicht hatten, bog auch schon ein Geländewagen auf den Parkplatz und wir wurden mit einem freundlichen „einmal Taxi bitteschön“ begrüßt. Auf der kurzen Fahrt zum Landhaus Meyer ging es immer nur bergab. Gut, dass wir morgen auch wieder zum Parkplatz zurückgefahren werden.

Am Hotel angekommen startete dann das Wohlfühlprogramm. Die nette Wirtin brachte uns aufs Zimmer, wo auch schon unser Gepäck auf uns wartete. Der erste Implus nach einem Wandertag? Raus aus den Schuhen, ab unter die Dusche. Mit der Aussicht auf ein kühles Bier und Abendessen haben wir uns dann später im Garten niedergelassen. Ich glaube es gibt nicht viel schöneres, als nach der Wanderung mit einem Bier und leckerem Abendessen auf der Terrasse zu sitzen.

Im Landhaus Meyer kann man es echt gut aushalten. Das weiß offenbar auch der Fuchs, der plötzlich schnüffelnd durch den Garten spazierte und sich von uns nicht weiter stören ließ. Wenn Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen, ist es auch für uns an der Zeit, den Tag ausklingen zu lassen. Morgen geht es dann weiter nach Torfhaus.

Ein Gedanke zu “Auf dem Harzer-Hexen-Stieg

  1. Ihr wandert ohne Regen? Passt ja gar nicht zu Euch.
    Was sind schon Australien und der Rest der Welt gegen diese wunderschöne Landschaft, ein von Wald umgebener See, in den man am liebsten hinein hüpfen möchte oder mitten drauf in einem Kahn sitzen und Fischlein angeln. Und wieder tolle Fotos.
    Das Wetter möge Euch weiter gewogen bleiben.
    Übrigens: ein/zwei/drei Bier und ein Abendessen auf einer schönen Terrasse sind auch ohne vorherige Wanderung etwas Feines.

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