Regen im Harz

Der Wanderpal ist nass geworden. Und Frau Wanderpal auch. Richtig nass. Dabei hatte alles so schön angefangen. Aber irgendwie kann es offenbar nicht sein, dass wir im Urlaub wandern und es dabei nicht regnet. Hatten wir ja in Bayern schon. Und eigentlich waren wir diesmal auch ganz gut vorbereitet.

Nach einer ruhigen Nacht im Landhaus Meyer war der Frühstückstisch schon für uns gedeckt. Und auch unser Lunchpaket war schon gepackt. Ja, auch das ein Service, den wir gebucht haben. Wir kriegen jeden Morgen ein Lunchpaket für unterwegs. Wie früher auf Klassenfahrt. Belegte Brote, einen Apfel und einen Müsli-Riegel, was man als Wanderer auf dem Harzer-Hexen-Stieg halt so braucht. Denn unterwegs war – zumindest heute – keine Einkehr möglich.

Der Wirt hat uns dann von Riefensbeek wieder zurück zu unserem gestrigen Ausstiegspunkt am Parkplatz Polsterberg kutschiert. Unser Gepäck durfte die Gastfreundschaft noch ein Weilchen genießen und wurde später direkt zu unserer Unterkunft in Braunlage gebracht. Auf der kurzen Fahrt gab es noch ein kleines Schauspiel zu bewundern, als die Straße kurz gesperrt war, weil eine alte Fichte gefällt wurde. Im Harz ist immer was los!

Als wir uns dann gerade ein bisschen eingelaufen hatten, fing es an zu tröpfeln. Zuerst nur leicht, aber relativ schnell wurde ein ordentlicher Regen daraus. Also Rucksack ab, Kamera verstauen, Regenjacke an, Anja hat sogar wieder ihre Regenhose ausgepackt. Das ist mir ja immer noch zu warm. Eigentlich war es mir auch in der Regenjacke zu warm, aber nass werden ist auch blöd. Ich war dann ganz froh, als es nur wenige Minuten später wieder aufgehört hat zu regnen. Also Rucksack ab, Regenjacke aus, Rucksack wieder an und weiter gehts. Für ein paar Minuten, dann fing es wieder an zu regnen. Also das Spielchen wieder von vorn. Es kam richtig Freude auf.

Bei unserer ersten Rast hat es komischer Weise nicht geregnet, wir konnten also im Freien ein bisschen die Füße hochlegen, während die von innen und außen feuchtklebrigen Regenklamotten ein bisschen auslüften konnten. Das Vergnügen währte aber nur kurz, kaum waren wir unterwegs, fing es wieder an zu regnen. Ich hatte jetzt irgendwie die Faxen dicke. Mir war warm, alles klebte, kein Bock mehr auf die Regenjacke. Zum Glück habe ich mich dran erinnert, dass ich meinen kleinen Schirm im Rucksack hatte. Unter dem habe ich mich dann vor dem immer stärker werdenden Regen versteckt.

Der Wanderweg wurde langsam zur Seenplatte, mir lief das Wasser über den Rucksack und den Allerwertesten die Beine runter. Anja stapfte tapfer in ihrer modischen Regenkombi (guckt Euch mal das Foto an) vor mir her. Unsere Rettung war dann ein Unterstand – Schutzhütte wäre zuviel gesagt – mit einer kleinen Bank, wo wir zumindest auf drei Quadratmetern trocken sitzen, die Klamotten auslüften und unsere Lunchpakete in Angriff nehmen konnten.

Was ich übrigens eine sehr charmante Idee im Harz finde, sind fehlende Mülleimer. Es gibt einfach am Weg keine Mülleimer. Auf vielen Hinweistafeln wird darauf hingewiesen, dass man seinen Abfall doch bitte wieder mit raus aus dem Wald nehmen soll. Überquellende – weil niemals geleerte – Mülleimer gibt es also nicht. Und auch ansonsten liegt nur sehr wenig Müll im Wald. Das Konzept scheint also zu funktionieren.

Als wir unsere kleine Vesper beendet hatten, hatte sich der Regen fürs Erste verzogen. Und sogar die Sonne kam ein bischen raus. Jetzt war es ein richtig schönes Wandern. Immer an einem kleinen Kanal entlang, der immernoch zur Oberharzer Wasserwirtschaft gehört und bereits im 17. Jahrhundert gebaut wurde. Genau wie gestern sind wir auch heute wieder an einer ganzen Menge historischer Bauten vorbeigekommen.

Kurz vor Torfhaus wurde der Weg dann fast schon alpin und ging gleichzeitig in eine fiese Steigung über. Ihr ahnt was kommt, es hat natürlich justamente wieder angefangen zu regnen. Da wir aber eh immernoch nass waren, war uns das fast schon egal. Ich hab mir gar nicht mehr die Mühe gemacht, die Regenjacke anzuziehen, der Schirm musste reichen. Glücklicherweise war es nur ein kurzer Schauer und den letzten Meter nach Torfhaus konnten wir trockenen Fußes bestreiten.

Von Torfhaus selber haben wir dann heute noch nicht viel gesehen. Außer der Bushaltestelle. Denn genau in dem Moment, in dem wir um die Ecke bogen, kam unser Bus. Was für ein Timing, wenn man bedenkt, dass der nur einmal in der Stunde fährt. Es war ein glücklicher Zufall. Mit dem Bus sind wir dann nach Braunlage gefahren, wo wir heute im „Alten Forsthaus“ untergebracht sind.

Abendessen gab es im Hotel-Restaurant. Wir hatten beide keine Lust nochmal in den Ort zu gehen. Für mich gab´s ein Schnitzel in Blaubeerschmandsauce. Stand so auf der Karte und hat – angeblich – mal den ersten Preis in irgendeinem Wettbewerb für regionale Rezepte gewonnen. Mit Obst zum Frühstück könnte ich mir die Sauce auch gut vorstellen. Aber sie hat ihren Dienst getan, ich bin satt und hoffentlich gut gestärkt, wenn es morgen auf den Brocken geht.

3 Gedanken zu “Regen im Harz

  1. Ihr habt aber auch Pech. Trotzdem scheint es eine schöne Wanderung zu sein. Die Gegend sieht richtig gut aus und die Fotos auch.
    Habt weiterhin viel Spaß!
    Liebe Grüße

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  2. Ihr seid bestimmt die einzigen Jecken, die bei solchen Witterungsverhältnissen durch den Wald laufen. Aber im Vergleich zu Berlin hattet Ihr prima Wetter.
    Werdet Ihr von den Einheimischen nicht gelobt, weil Ihr so tapfer seid?
    Wie immer Schöne Fotos und ein anschaulicher, munterer Bericht.

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