Von Grottenolmen und Hängebrücken

Rübeland macht auch am nächsten Morgen einen relativ trostlosen Eindruck. Der Ort wirkt verlassen und scheint seine besten Zeiten hinter sich zu haben. Dabei hat der Ort einiges zu bieten: Gleich zwei große Tropfsteinhöhlen warten hier nur wenige Meter entfernt auf Besucher. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen.

Wir sind früh dran und mit Öffnung kaufen wir in der Herrmannshöhle zwei Karten für die erste Führung um 9:30 Uhr. Im Gegensatz zur Baumannshöhle gibt es hier noch eine besondere Attraktion. Leibhaftige Grottenolme. Die Tierchen sind äußerst selten – wenn ich das richtig verstanden haben, leben in Rübeland die einzigen sieben Exemplare von ganz Deutschland. Wir sind gespannt, ob wir einen zu Gesicht bekommen.

Zusammen mit nur sechs anderen Leuten und natürlich der Höhlenführerin machen wir uns dann auf in die Unterwelt. Die Höhle ist spektakulär. Riesige Hohlräume, abgefahrene Tropfsteine und Versinterungen. Ich habe mir natürlich wie immer nicht alles merken können, was uns zu den Besonderheiten erzählt wurde. Wenn Ihr in der Gegend seid, fahrt mal nach Rübeland und guckt Euch die Höhle an, es lohnt sich.

Die Grottenolme leben innerhalb der Höhle in einem kleinen natürlichen Wasserbecken. Und tatsächlich haben wir Glück und kriegen drei der lichtscheuen Exemplare zu Gesicht. Im Prinzip sehen die aus, wie große, dicke weiße Würmer mit zwei winzigen Füßchen vorne dran. Die Viecher wurden 1956 aus Slowenien in die Höhle importiert. Von ursprünglich 15 sind jetzt nur noch sieben übrig, die offenbar auch keine Anstalten machen Nachwuchs zu zeugen. Wenn es doof läuft, gibt es also bald keine Grottenolme mehr in Deutschland.

Was es ebenfalls schon lange nicht mehr gibt, sind die Bären, die einst in der Höhle gelebt haben. Und sich dort auch zum Sterben niedergelassen haben. An einer Stelle liegen noch Bärenknochen, die langsam mit einem feinen Sinterfilm überzogen werden. Die Stelle in der Höhle heißt dementsprechend „Bärenfriedhof“.

Zurück am Tageslicht kriege ich erstmal einen kleinen Temperaturschock. In der Höhle hatte es gleichbleibend 8°, da hatte ich mich gerade dran gewöhnt. Aber immerhin: Es regnet mal nicht. Es geschehen Zeichen und Wunder! Wir schultern die Rucksäcke und ziehen los ins Bodetal.

Dem Harzer-Hexen-Stieg folgen wir aber erstmal nur ein kurzes Stück. Denn wir haben noch eine zweite Attraktion auf dem Zettel. Über die Rappbode-Talsperre führt seit ein paar Monaten die längste, höchste und überhaupt spektakulärste Hängebrücke Deutschlands. Eine Firma namens „Harzdrenalin“ versucht offenbar durch neue Attraktion ein jüngeres Publikum in den Harz zu locken. Hallo, da sind wir auch schon! Neben der Hängebrücke gibt es übrigens auch eine „Mega-Zipline“, man kann sich an einem Stahlseil hängend ein paar hundert Meter in die Tiefe stürzen.

Beide Attraktionen liegen natürlich (noch?) nicht auf der Route des Hexen-Stieges und so tüfteln wir uns unseren eigenen Weg durch die Harzer Wildnis zusammen. Das klappt überraschend gut und als immer mehr Autos am Straßenrand parken und Motorräder an uns vorbeiknattern, sind wir da. Wir und leider auch andere Menschen. Sehr viele Menschen, die uns schon nach wenigen Sekunden schwer auf den Keks gehen.

Der Eintritt auf die Brücke kostet pro Person sechs Euro. Über eine relativ schmale und stark schwankenden Stahlkonstruktion geht es dann in 100 Metern Höhe übers Tal. Für Leute mit Höhenangst spreche ich mal eine freundliche Warnung aus. Der Boden der Brücke besteht aus Stahlgittern, durch die man ganz prima durchschauen kann. Wie besoffen torkelt man dann über die Brücke und versucht die Schwingungen so gut es geht auszugleichen und dabei keine anderen Menschen zu rammen. Wir haben es unfallfrei rübergeschafft und waren froh, nach ein paar Minuten wieder allein im Wald zu sein.

Es ging wieder runter ins Tal der Bode, wo wir nach ein paar Kilometern wieder auf den Harzer-Hexen-Stieg getroffen sind. Der ist gut mit Wegweisern ausgestattet, denen wir entnehmen konnten, dass es jetzt noch gut 10 Kilometer bis zu unserem heutigen Etappen-Ort Treseburg weit ist.

Das Bodetal ist ein wunderschönes, enges Flußtal. Der Wanderweg bleibt meistens in der Nähe des Flußes und es gibt kaum Steigungen. Eigentlich ganz angenehm zu laufen. Wenn nur der dauernde Nieselregen nicht wäre. Wo schützende Bäume den Weg säumen, braucht man eigentlich keine Jacke, unter freiem Himmel leider schon. Es war das bekannte Spiel mit der Regenjacke. Kurz vor Treseburg dann ein kleiner Anstieg, der uns aber auch nicht aufhalten konnte.

Unser Hotel liegt diesmal praktischer Weise direkt am Ortseingang und direkt am Wanderweg. Wir kriegen zum Glück ein Zimmer im Erdgeschoss – ohne Stufen – und haben einen schönen Blick auf die Bode. Und der Harzer-Hexen-Stieg führt auch direkt am Fenster vorbei. Und – das ist Premiere – es gibt im Zimmer einen kleinen Schreibtisch, an dem ich gerade diesen Blog schreibe. Wenn jetzt noch das W-Lan hält, was es verspricht, kann nichts mehr schiefgehen.

Morgen steht dann das Finale an. Die letzten 11 Kilometer bis Thale. Durch eines der angeblich schönsten Flußtäler Deutschlands. Wir sind gespannt. Drückt uns die Daumen, dass der Regen über Nacht aufhört und wir endlich mal trockenen Fußes wandern können.

4 Gedanken zu “Von Grottenolmen und Hängebrücken

  1. Schön, dass noch Grottenolme da waren.

    Großartig, ihr habt die Hängebrücke „mitgenommen“!
    Für die letzte Etappe wünschen wir euch viel Glück mit dem Wetter!
    Und natürlich viel Kraft in den Beinen. 😉

    Gefällt mir

  2. Kein Ziplining? Wir haben es in Costa-Rica immer weiter nach hinten geschoben und irgendwann zu viele Geschichten gehört. Heute bereue ich es ein wenig, andererseits so ganz ohne TÜV… am Ende will man an der Pforte doch zumindest auf die Schuld anderer verweisen können.

    Wie immer tolle Eindrücke.
    Bleibt trocken!
    Lurchi

    Gefällt mir

  3. Schade, dass ihr immer so ein Pech mit dem Wetter habt. Da hatten wir am Wochenende fast noch Glück im Sauerland. Nur der Samstag war überwiegend verregnet. Trotzdem tolle Fotos und eine schöne Strecke. Wir drücken die Daumen, dass es besser wird.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.