Blitzlichter eines Faulenzer-Tages

In Kezmarok

Der dritte Tag in der Slowakei und schon der zweite Faulenzer-Tag. Diesmal hatten wir aber eine super Ausrede: Das Wetter meinte es heute nicht gut mit uns. Irgendwie mal wieder ein typischer Wanderpal-Urlaub. Unser eigentlicher Plan für den Tag erfuhr also eine Änderung.

Wer mit zwei ehemaligen Projektmanagern verreist, der hat natürlich immer einen Plan in der Tasche. Also haben wir vor der Abreise eine Liste mit möglichen Ausflugszielen, Wanderungen und sonstigen Aktivitäten erstellt, von der wir uns jetzt tagesaktuell etwas nettes aussuchen können. Für heute war ein Städtetrip nach Presov und Kosice, zwei Städte im Osten der Slowakei, geplant.

Weil es aber schon morgens regnete und es auch nicht so aussah, dass es bald aufhören würde, haben wir erstmal gemütlich die Füße hochgelegt. Und beschlossen, dass wir uns einfach ersatzweise Kezmarok angucken. Hier gibt es ja auch ein paar touristische Highlights. Und einen Geocache, den wir neulich abends nicht gefunden haben, wollten wir auch nochmal angehen. Außerdem ist doch auch alles nicht so weit zu laufen und überhaupt nicht anstrengend und für faule Menschen wie uns machbar.

Also sind wir irgendwann losgezogen und haben uns erstmal besagten Cache vorgenommen. Der soll direkt am Rathaus liegen und befindet sich damit voll am meist frequentierten Ort der Stadt. Überhaupt fällt mir im Gegensatz zu unseren früheren Besuchen auf, dass viel mehr Touristen in Kezmarok unterwegs sind. Ganze Reisebusladungen werden zuweilen in die Stadt geschafft.

Das ist natürlich total gut, wenn man eigentlich unbemerkt eine kleine Dose suchen möchte. Also haben wir uns möglichst auffällig unaufällig benommen, Fotos gemacht, dumm in der Gegend herumgestanden und ab und zu mal in ein mögliches Versteck geschaut. Von Erfolg gekrönt war das leider lange Zeit nicht. Bis ich in einem verzweifelten Akt in eine dunkle Ecke gegriffen habe und tatsächlich den Cache zu Tage befördern konnte. Jippieh!

Wir wollten uns dann die berühmte Holzkirche und die evangelische Kirche anschauen. Letztere ist im orientalischen Stil erbaut – warum auch immer – und dadurch ziemlich sehenswert. Anja hat mal wieder alles in tollen Fotos festgehalten. Schaut´s Euch an! Eigentlich wollten wir auch in die Kirchen rein, sind aber erst am Sozialismus und dann am Kapitalismus gescheitert. Beim ersten Versuch war wegen Mittagspause geschlossen, im zweiten Anlauf wollten die Kollegen Eintritt sehen. Sowas lehnen wir bei Kirchenbesuchen grundsätzlich ab.

Die Holzkirche ist trotzdem eine interessante Sache. Aus mir unbekannten Gründen durften die frühen evangelischen Christen ihre Kirchen nur außerhalb der Stadtmauern errichten. Wahrscheinlich weil der katholische Klerus mal wieder Angst um Leib, Leben und vor allem Pfründe hatte. So weit ja noch einfach. Sie durften aber auch keine Grundmauern, keine Türmen und keine Glocken bekommen und mussten vor allem komplett aus Holz gefertig sein. Fenster waren offenbar so gerade noch gestattet, aber selbst Nägel mussten aus Holz sein. Dieser Art Kirchen gibt es hier in der Gegend einige und im Verbund sind sie Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Bildungs-Bloggen beim Wanderpal!

Wir sind dann weiter spaziert, haben verhältnismäßig schnell einen Cache gefunden und auf dem Friedhof gelandet. Klingt merkwürdig, liegt aber daran, dass es hier noch zwei Gräber von mit dem Wanderpal verwandten Vorfahren gibt. Wir haben leider nur eines davon gefunden und ich bin mir bei den familiären Verhältnissen auch gerade etwas unsicher, kenne aber jemanden, der uns das sicher in den Kommentaren erklären kann.

Einen weiteren Cache, den wir nicht gefunden haben, verschweige ich an der Stelle und komme stattdessen zu Kirche Nummer drei, die wir besucht haben. Der katholischen Kirche im Stadtzentrum – innerhalb der ehemaligen Stadtmauern. Die Tür stand sperrangeltweit offen und ein Schild bat um passende Kleidung. Wir haben kurz gezögert, konnten aber alle symbolisch dargestellten Anforderungen erfüllen.

Während Anja und Lurchi das Kircheninnere fotografisch auf ihre Speicherkarten verbrachten, ist Karo irgendwann ein Schild aufgefallen. Fotografieren ist hier eigentlich verboten. Die beiden haben also ganz leise weitergemacht. Und wir haben beschlossen, eine kleine Spende da zu lassen, um den Fauxpas wieder auszugleichen.

Erst beim Verlassen der Kirche haben wir dann gesehen, dass wir eigentlich jeder auch einen Euro Eintritt hätten bezahlen sollen. Und jeweils zwei Euro um fotografieren zu dürfen. Als dann auch noch eine alte Dame, die hier offenbar die Aufsicht hat, in slowakisch auf uns einquatschte, war guter Rat teuer. Wir haben gelächelt, die Schultern gezuckt, ein „Nemecko“ gemurmelt, um klar zu machen, dass wir nur Deutsch sprechen und zwei Euro aufs Tablett gelegt. Mütterchen Slovakia hat uns gehen lassen, vermutlich aber auch mit einem rituellen Bannfluch belegt.

Damit wir nicht nur faul in Kezmarok rumhängen, haben wir uns dann doch noch ins Auto gesetzt und sind an den Fuß der Berge gefahren nach Tatranska Lomnitza. Eigentlich wollten wir uns Karten für die Seilbahn kaufen, um damit in den nächsten Tagen auf den zweithöchsten Berg der Slowakei – Lomnicky Stit – zu fahren. Die knapp 50 Euro pro Person waren uns dann aber doch zu happig. Man muss ja auch nicht jede Bauernfängerei mitmachen.

Zum Glück gibt es in Tatra Lomnitz aber auch jede Menge Souvenirläden und Buden. Die haben wir uns natürlich angeschaut. Wer den gestrigen Beitrag gelesen hat, weiß was jetzt kommt. Karo konnte nicht widerstehen und ist jetzt stolze Besitzerin eines dicken Plüschschafes, das jetzt hier auf dem Sofa sitzt und ihr als Kopfkissen dient. Endlich mal ein Souvenir mit wirklich praktischem Wert. Wer wissen möchte, wie unser neuer Mitbewohner heißt, schaut mal wieder bei den Gurken vorbei!

Was war noch erwähnenswert? Vielleicht, dass wir auch in Tatra Lomnitz einen Geocache finden wollten. Der erste Versuch ist gescheitert, weil sich die Koordinaten mitten unter der Terrasse eines Cafes befanden. Da auch hier jede Menge Touristen unterwegs waren, war der Zugriff unmöglich. Also weiter zum Nächsten. Der lag etwas ab vom Schuss und war nur zu erreichen, in dem ein Bach, ach was, ein reißender Strom überquert wurde. Kaltes Wasser an den Füßen soll aber ja ganz gesund sein, also hat sich der Wanderpal kurz in die Fluten gewagt.

Auf dem Heimweg haben wir dann noch kurz für ein leckeres Abendessen eingekauft. In gemeinschaftlicher Küchenarbeit gab es dann zur Vorspeise Knoblauchsuppe und als Hauptgang ein Zucchini-Paprika-Spitzkohl-Tofu-Gemüse, abgeschmeckt mit Brinse-Käse und gereicht an Salzkartoffeln. Sehr lecker!

Gerade fällt mir ein, dass ich ja eigentlich noch erklären wollte, warum die Slowakei nicht mit Slowenien zu verwechseln ist. Das mache ich dann beim nächsten Mal. Oder wie der Slowake sagt: Heute nicht, morgen wieder!

4 Gedanken zu “Blitzlichter eines Faulenzer-Tages

  1. Auf die ausstehende Erklärung bin ich sehr gespannt. Wie immer umfassend berichtet, alles was ich schon längst wieder vergessen habe, kann ich in Zukunft auch hier nachlesen. Tolle Bilder. Applaus. Ab ins Bett!

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  2. Thomas eine kleine Rüge: Die verwandtschaftlichen Verhältnisse hättest Du wissen können/müssen. Ich nehme an, Ihr habt das Grab Deiner Urgroßeltern väterlicherseits gefunden, mit hell-bräunlich melierten Marmorsteinen eingefasst und ebensolchem, goldbeschriftetem Grabstein, Gergely (Gregor) Pal und seine Frau Maria; also die Eltern meines Vaters (Dein Opa) und Deiner Großtante Vilma (Helgas Mutter). Namentlich erwähnt ist noch Helmut, der totgeborene Sohn von Tante Vilma (Helgas Bruder). Alles klar?
    Die zweite Grabstätte findet man, wenn man vom Gergelygrab weiter geradeaus geht bis zur Mauer, dann links bis in die Ecke. Dann findet man in zweiter Reihe zwei verwilderte Erdhäuflein mit einem alten, verrosteten Eisenkreuz, dran ein schwarzes Täfelchen mit schwacher weisser Schrift Franticek Migra, der Vater von Maria Pal, also Dein Ururgroßvater.
    Interressant ist noch die grosse Grabstätte WEIN, quasi gegenüber des Gergelygrabes auf der anderen Wegseite. Wein war bis zu seiner Vertreibung am Kriegsende Besitzer und Betreiber der grossen Käsmarker Textilfabrik, in der Gergely als Werkmeister gearbeitet hat. Die Fabrikgebäude stehen heute noch mit anderer Nutzung am Popperufer, rechts hinter der Brücke Richtung Stratzky/Spiska Bela. Stratzky ist eine besichtigungswerte Schlossanlage mit einem schönen Park.

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