Hoch hinaus

Vom Lomnitzer Sattel auf die Tatra Magistrale

Sommer, Sonne, Sonnenschein: So begrüßte uns der heutige Tag. Genau genommen wurden wir vom räudigen Nachbarsköter geweckt, der uns mit seinem unaufhörlichen Gebelle aus dem Schlaf gerissen hat. Anja arbeitet bereits an einem Rezept für schmackhafte Giftköder. Darum soll es im heutigen Beitrag aber gar nicht gehen. Denn wir waren wandern. In den Bergen. Und haben sogar den Weg gefunden!

Nachdem ich nach dem Frühstück noch einmal kurz und intensiv an Windows gescheitert bin, war irgendwann doch der Weg frei für unseren heutigen Ausflug. Da die Wolken heute einen großen Bogen um die Berge gemacht haben, wollten wir hoch hinaus. Ein bisschen Aussicht gucken und dann noch eine hübsche Wanderung am Berg entlang machen.

Als wir in Tatranska Lomnica ankamen, um mit der Seilbahn auf den Lomnitzer Sattel auf über 2.000 Meter Höhe zu fahren, traf uns leider direkt mal wieder ein bisschen der Schlag. Ein wahrer Touristen-Tsunami rollte auf die Talstation der Kabinenbahn zu. Und wir mittendrin. Aber wir haben die Lage schnell erfasst: Es gab zwei lange Schlangen. Eine vor der Kasse und eine vor dem Lift. Also haben wir uns in deutscher Effizienz aufgeteilt: Karo und ich haben uns für die Karten angestellt, Anja und Lurchi haben uns einen Platz in der Schlange zum Lift gesichert.

Trotz dieses beinahe brillianten Schachzuges haben wir etwas mehr als eine Stunde gewartet. Wurden von der Sonne gebraten und von den Menschen um uns herum auf die Geduldsprobe gestellt. Insbesondere zwei vermutlich slowakische Kinder hatten offenbar ein Problem mit dem Gleichgewicht, denn sie sind Anja immer wieder von hinten gegen den Rucksack gelatscht. Wie Fliegen, die ständig gegen ein geschlossenes Fenster dötschen. Mit dem Schlange stehen hatten es die Mädels nicht so.

In der Gondel waren wir dann unter uns und haben die Ruhe und die Aussicht genossen. An unserem Zwischenziel Skalnate Pleso angekommen, haben wir eine kurze Foto-Pause eingelegt und sind dann gleich weiter zum nächsten Lift spaziert. Mit einem Sessellift ging es jetzt hoch zum Lomnitzer Sattel. Mal wieder eine sehr hübsche Angelegenheit. Und zum Glück hatte ich noch schnell meine Weste übergezogen. Der Wind pfiff uns ganz schön um die Ohren.

Vom Sattel aus hat man eine ganz wunderbare Aussicht, schaut Euch die Fotos an. Anja und Lurchi haben sich die Finger wund geknipst. Neben der Landschaft galt unser gemeinsames Interesse auch einem ganz besonderen Geocache. Es gibt hier oben einen sogenannten D5/T5-Cache. Das ist jeweils in Schwierigkeit (D) und Terrain (T) die höchste Wertung. Und davon haben wir bisher nur einen einzigen gefunden. Nach einer vermutlich nur halblegalen Klettereinlage hatte Anja nach ein paar Minuten dann den Behälter in der Hand. Großer Jubel brandete in unserer Reisegruppe auf.

Nach einem weiteren – diesmal einfacheren – Cache oben auf dem Sattel haben wir uns zu einer kurzen Rast niedergelassen. Rückblickend war das einer der schönsten Momente des Tages. Nur wenige Touristen haben sich in die etwas abgelegene Ecke verirrt, es war ruhig, der Blick reichte kilometerweit ins Land, eine sanfte Brise sorgte dafür, dass die Sonne nicht allzusehr brannte, da schmeckten sogar die pappigen Brötchen, die wir uns geschmiert hatten.

Mit einem guten Gefühl und viel Schwung ging es dann mit dem Sessellift wieder runter vom Sattel zum Steinbach See (Skalnate Pleso), von wo aus wir unsere Wanderung starten wollten. Bevor es losging stand aber erst noch ein weiterer Cache auf dem Programm. Vielen Dank an dieser Stelle an den freundlichen Bediensteten der Seilbahn, der uns verzweifelt Suchenden mit eindeutigen Gesten zu verstehen gab, wo die Dose zu finden ist.

Unser Weg führte uns dann immer am Hang entlang mit leichtem Gefälle Richtung Osten. Da es sich hierbei – natürlich – um einen bei Touristen überaus belebten Weg handelt, waren wir nicht allein unterwegs. Es war trotzdem sehr schön und die immer wieder prächtigen Ausblicke entschädigten auch für den etwas unwegsamen Untergrund. Über die tatratypischen Wege hatte ich ja schon berichtet. Für kurze Zeit macht es durchaus Spaß von Stein zu Stein zu tippeln, auf Dauer muss man es aber mögen.

Unser Ziel war die Bergstation der Hrebienok-Bahn. Eine Seilbahn, die aber auf Schienen fährt. Hat man auch nicht alle Tage. Dort angekommen hatten wir Glück, dass wir direkt eine Bahn erwischt haben. Die war natürlich proppevoll und ein ganz besonders schlauer Mitreisender hat versucht uns mit seinem Rucksack abzudrängen, damit seine Frau ein sinnloses Handyvideo der Fahrt drehen kann. Aber schubsen und drängeln können wir auch ganz gut.

Die Hrebienok-Bahn hat uns im Örtchen Stary Smokovec ausgespuckt. Was, wie man unschwer merkt, nicht der Ort ist, in dem das Auto auf uns wartet. Also haben wir uns auf ein letztes Abenteuer gewagt: Wir fahren mit dem Zug. Die „Tatra-Bahn“ verbindet als bessere Straßenbahn alle Orte, die am Fuß der Berge liegen. Insofern eigentlich ganz praktisch.

Am Bahnhof haben wir den Fahrkarten-Automat überraschend schnell in den Griff bekommen und für nur vier Euro unsere Tickets gelöst. Dann hieß es warten auf den richtigen Zug. Weil die Familie hier schonmal eine schlechte Erfahrung gemacht hat, war ich vorsichtig. Wir haben es aber problemlos in den richtigen Zug geschafft und sogar noch für jeden einen Sitzplatz ergattert. Während der Fahrt ergaben sich ein paar tolle Ausblicke auf die Tatra, hinter der gerade die Sonne unterging.

Mit dem Auto ging es dann zurück nach Kezmarok, wo wir noch kurz eingekauft und dann ein leckeres Abendessen gekocht haben. Jetzt sitzen Anja und Lurchi hier und haben alle Hände voll damit zu tun, ihre am Tage geschossenen Fotos zu sichten und digital zu bearbeiten. Damit die Speicherkarten für morgen wieder frei sind. Und wir zusammen mit den Gurken weiterhin tolle Dinge erleben können.

4 Gedanken zu “Hoch hinaus

  1. Also ich kann nicht verstehen, dass dieser dämliche Köter immernoch lebt. Gefühlt hat der schon vor 15 Jahren die Nacht durch gebällt. Bin sehr gespannt was ihr zum Weg zum grünen See sagt, der hat sich etwas verändert:-)

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  2. Wenn man die Bilder sieht, kann man nur sagen, es hat sich gelohnt, Euch dahin fahren zu lassen. Leider kann man an den Bildern nicht erkennen, wie leicht man über die Wege schwebt. Seid Ihr sicher, dass Ihr gen Osten gewandert seid? Ich meine, es war Westen vom Steinbachsee aus gesehen. Wenn man vom See geradeaus auf die Lomnitzer Spitze guckt, schaut man Richtung Norden, Polen, links Hrebienok, Strbske Pleso, (Westen), rechts grüner See (Osten). Strbske Pleso heisst Gebirgssee.
    Der Nachbarhund denkt über Euch wahrscheinlich genauso, wie Ihr über Ihn. Das ganze Jahr über hat er Ruhe und jetzt sind auf einmal Krachmacher da.
    Bitte weiter so.

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