Großer Burgentag

Von Spisky Hrad zu Lubovniansky Hrad

Die Slowakei hat einiges zu bieten. Nicht nur hohe Berge, leckeres Bier und völlig verrückt gewordene Autofahrer, sondern auch Burgen. Richtig schöne Burgen, die seit dem Mittelalter pittoresk in der Landschaft herumstehen. Zwei davon wollten wir uns heute ansehen.

Erstes Ziel: Spisky Hrad, die Zipser Burg. Die Zips ist die Gegend, in der wir uns hier befinden. Deren Zentrum ist seit Jahrhunderten ebenjene Burg. Die gesamte Anlage ist riesig, gilt als eine der größten Burgen von ganz Europa und zählt seit den neunziger Jahren zum Weltkulturerbe der UNESCO. Also ein definitiv lohnendes Ausflugsziel.

Nach einer halben Stunde Fahrt kommen wir am Parkplatz an, haben Glück und finden den letzten freien Parkplatz. Überraschenderweise ist das Parken hier sogar kostenlos. Die letzten 200 Meter geht es zu Fuß den Berg hinauf und durch das erste Burgtour. Die Eintrittskarten sind schnell erstanden, dazu noch einen deutschen Audioguide und schon kann die Besichtigung losgehen.

Wie überall sind auch hier die Touristen los. Die Burg ist voller Menschen. Wir geraten in Schwärme von Kindern, die glücklicher Weise noch nicht dazu in der Lage sind, ihre neu erworbenen Spielzeugarmbrüste zu bedienen. Es reicht aber auch, wenn sie einem unangekündigt vor die Füße laufen. Für Anja und Lurchi wird es zur Geduldsprobe halbwegs menschenfreie Fotos zu schiessen.

Wir spazieren durch die teilweise restaurierte Ruine. Zwar wurde die Burg nie von Feinden erobert, dafür aber bei einem Brand zerstört. Wahrscheinlich war es ein Blitzeinschlag, der das verheerende Feuer auslöste. Wir glauben aber eher an die Theorie, dass die Burgbesatzung beim Schnapsbrennen unvorsichtig war. Nach dem Brand kehrte das Leben erst in Form der heutigen Touristen wieder auf die Burg zurück und sie wurde zur Ruine. Die umliegende Bevölkerung bediente sich reichlich an den Steinen und auch der Adel nutzte das Gestein der Burg, um neue Paläste hochzuziehen.

Bei unserem Rundgang lauschen wir immer wieder den Ausführungen des Audio-Guides. Der erzählt zwar interessante Dinge, lässt dabei aber jegliche Emotionen vermissen. So wird das Zuhören zuweilen etwas anstrengend. Vor allem auch, weil die Lautstärke des Geräts kaum mit denen durch die anderen Besucher verursachten Hintergrundgeräuschen mithalten kann. Alles ein bisschen stressig hier auf der Burg.

Den Höhepunkt erreicht der Irrsinn, als wir versuchen den Bergfried, also den zentralen Turm zu erklimmen. Der Treppenaufgang im Inneren ist steil, sehr eng und ziemlich niedrig. Drei von vier Mitreisenden müssen öfter mal ganz schön den Kopf einziehen. Erschwerend kommt hinzu, dass auf den Treppen kein Gegenverkehr möglich ist. Und weil hier Keiner irgendeine Form von Ordnung reinbringt, werden Auf- und Abstieg zur Geduldsprobe.

Wieder zurück am unteren Burghof machen wir dann erstmal eine kleine Pause, essen die mitgebrachten und wie immer pappigen Brötchen und überlegen, was wir mit dem angebrochenen Tag noch anfangen können. Da Karo ihre Reisekrankheit offenbar mittlerweile sehr gut im Griff hat, ist uns vor einer weiteren Autofahrt nicht bang. Also ab ins Auto und auf zur nächsten Burg. Beim Einsteigen bemerke ich dann einen ziemlich langen Riss in meiner Hose. Keine Ahnung, wie das passiert ist, aber da wir eh über Kezmarok fahren müssen, kann ich mich noch schnell umziehen.

Zweites Ziel: Lubovnianske hrad, die Lublauer Burg. Aus mir unbekannten Gründen steht diese Burg (noch) nicht auf der Liste der Weltkulturerbestätten. Das Gelände ist wesentlich kleiner als bei der Zipser Burg, dafür ist die Lublauer Burg aber auch sehr viel aufwändiger und liebvoller restautiert. Wir kommen am späten Nachmittag an, was den Vorteil hat, dass die meisten Touristen schon abgereist sind und so wird es ein ziemlich entspannter Rundgang.

Einem Schild entnehme ich, dass die Burg als Grenzburg die Handelsstraßen nach Polen schützte. Vom 15. bis zum 18. Jahrhundert war sie Sitz polnischer Gemeindevorsteher, die von hier aus das sogenannte polnische Lehen König Sigismunds von Luxemburg verwalteten. Nach einem Brand im 16. Jahrhundert wurde die Burg erst im Renaissance-, später im Barockstil wieder aufgebaut. Ende des 18. Jahrhunderts verfällt die Burg, bevor Mitte des 19. Jahrhunderts mit der teilweisen Renovierung begonnen wird. Bildungsbloggen beim Wanderpal!

Ein freundlicher Mitarbeiter an der Kasse macht uns darauf aufmerksam, dass in der Falknerei gerade eine Flugshow geboten wird, deren letzte Minuten wir uns anschauen. Eine zwiespältige Sache. Die Flugeinlagen sind toll anzusehen und eigentlich ist es ja gut, wenn den Menschen etwas über die Tiere beigebracht wird. Leider sind die Haltungsbedingungen für die Vögel hier auf der Burg unter aller Kanone, sowas sollte dringend verboten werden.

Auf unserem Rundgang bestaunen wir dann die Burggemäuer, die teilweise wirklich nett und interessant hergerichtet sind. So kriegt man einen schönen Eindruck, über das Leben auf der Burg. Besonders beeindruckt uns der Renaissancepalast, in dem auf mehreren Ebenen eine Brauerei, Bäckerei, die Küche und Wohnräume nachempfunden sind. Vom Bergfried hat man eine tolle Aussicht in die Landschaft. Man kann bis zur Hohen Tatra schauen, die sich aber leider in Wolken versteckt.

Pünktlich zum Ende der Öffnungszeiten stehen wir wieder am Eingang der Burg und werden durch einen kleinen Durchgang hinaus gelassen. Im Vergleich fanden wir es auf der Lublauer Burg sehr viel hübscher, als auf der Zipser Burg. Das kann aber auch daran gelegen haben, dass hier auf Grund der Uhrzeit weniger Menschen unterwegs waren. Auf dem Weg zum Parkplatz haben wir dann noch schnell den obligatorischen Geocache gefunden, bevor es zurück auf die Landstraße und durch ein schönes Flußtal zurück nach Kezmarok ging.

2 Gedanken zu “Großer Burgentag

  1. Zwei Burgen, zwei Turmbesteigungen an einem Tag und nur eine kaputte Hose, tolle Leistung! Und wieder ein munterer Bericht mit wunderbaren Fotos!
    Möchte aber auch wissen, was die Gurken dazu sagen.

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