Wilde Narzissen

Im Nationalpark Eifel

Jedes Jahr im Frühling wartet der Nationalpark Eifel mit einem Naturschauspiel der ganz besondern Art auf. Millionen von wilden Narzissen zaubern einen gelben Blütenteppich in die Landschaft. Das wollten wir uns schon immer mal angucken – und dieses Jahr haben wir es zeitlich endlich geschafft.

Wer die Narzissen sehen will, für den gibt es zwei Hotspots, die zu einer Wanderung einladen: Das Oleftal bei Hellenthal, sowie das Schutzgebiet Perlenbach- und Fuhrtsbachtal in der Nähe von Monschau. Die Nationalpark-Verwaltung bietet geführte Touren an, wir haben uns aber entschieden die Narzissen auf eigene Faust zu entdecken. Und dafür die extra ausgewiesene „Narzissenroute“ angesteuert. Ein knapp 15 Kilometer langer Rundweg, der in Monschau-Höfen startet und durch das Fuhrtsbach- und Perlenbachtal führt. Angegebener Schwierigkeitsgrad: Leicht. Also hoffentlich der ideale Start ins Wanderjahr.

In bester Sonntagsfahrer-Manier haben wir uns am frühen Mittag in der Südstadt ins Auto gesetzt und sind in die Eifel gefahren. Die Sonne schien uns ins Gesicht, es ist wieder an der Zeit kurze Hosen zu tragen. Große Freude beim Wanderpal! Nachdem wir die Autobahn schon kurz hinter Euskirchen verlassen hatten, ging es jetzt über schier endlose Landstraßen bis ins kleine Örtchen Höfen. Vielleicht klingelt es da bei dem ein oder anderen. Denn Höfen ist berühmt für seine haushohen Buchenhecken. Darum soll es aber heute nicht gehen und deswegen sind wir vom Parkplatz schnurstracks in den Wald gestiefelt. Immer dem Wegweiser mit einer kleinen Narzisse hinterher, die uns zum eigentlichen Start des Rundwegs führen soll.

Schon als wir am Parkplatz ankamen war klar: Das wird heute keine ruhige Tour. Denn wir haben gerade so den letzten freien Platz erwischt. Die Narzissenblüte ist offenbar wirklich sehr berühmt und so waren außer uns noch eine ganze Menge anderer Naturfreunde unterwegs. Und ein paar demotivierte Teenager, die von ihren rücksichtslosen Eltern zum Sonntagsspaziergang gezwungen wurden. Zum Glück sind die Wege alle ausreichend breit und bequem, so dass man sich ganz gut aus dem Weg gehen kann.

Noch bevor wir die ersten größeren Narzissenvorkommen sichten, passiert der erste kleine Unfall. Einer von Anjas Objektivdeckeln ist verloren gegangen. Ein junger Mann berichtet, dass er „ein paar hundert Meter von hier“ einen Deckel hat rumliegen sehen. Und tatsächlich drehen wir nochmal um und machen uns auf die Suche. Irgendwann geben wir allerdings auf und vermuten, dass irgendein böswilliger Mensch den Deckel gemopst hat. Zum Glück hat Anja noch Ersatz, der direkt mit einem kleinen Strick zusätzlich an der Kamera gesichert wird.

Nach etwa vier Kilometern stoßen wir auf die erste Narzissenwiese im Fuhrtsbachtal. Die Pflanzen sind wesentlich kleiner, aber nicht weniger schön, als die gezüchteten Exemplare, die man vielerorts in den Vorgärten findet. Während Anja mit der Kamera loszieht, um ein paar Blüten aus der Nähe einzufangen, mache ich es mir in der Sonne bequem und gucke gemütlich in die Landschaft. Schön, dass der Frühling endlich da ist und die Natur aus dem Winterschlaf erwacht.

Im weiteren Verlauf des Weges stoßen wir immer wieder auf kleinere und größere Ansammlungen von Narzissen. Wenn sie irgendwo auftauchen, dann meistens in Nestern. Vermutlich lässt sich das botanisch erklären, wir haben dazu aber erstaunlicher Weise keine Infotafel gefunden.

An einer Abzweigung sind wir uns nicht ganz sicher, in welche Richtung wir gehen müssen, um der Narzissenroute zu folgen. Auf einer Landkarte in der Nähe ist ein Wanderweg eingezeichnet, von dem wir dachten, dass er die Route sei und der uns irgendwie etwas kurz vorkam. Bei dem schönen Wetter wollten wir noch ein bischen mehr Landschaft sehen.

Also haben wir die ausgeschilderten Wege verlassen und sind in ein kleines Bachtal abgebogen. Das war eine gute Entscheidung. Denn plötzlich waren wir völlig allein im Wald. Neben uns ein leise plätschernder Bach, der sich hin und wieder in moorigen Wiesen verlaufen hat. Sehr, sehr hübsch. Und mittlerweile war es auch so warm, dass wir sämtliche Jacken in den Rucksäcken verstaut hatten und im T-Shirt die Sonne genossen. Mit der altbewährten Offline-Karte im Handy hatten wir uns eine Route überlegt, die uns in einem Bogen wieder zurück nach Höfen führen sollte. Wir hatten allerdings nicht damit gerechnet, dass wir auf gesperrte Wege (Ruhezone für Flora und Fauna) und Betretungsverbote (Militärisches Sperrgebiet) treffen.

Und so standen wir bald wieder am oben erwähnten Abzweig und haben unseren Irrtum bemerkt. Der Wanderweg auf der Karte war gar nicht die Narzissenroute. Und jetzt hatten wir die Wahl: Entweder auf dem Weg, den wir gekommen waren, zurück zum Auto oder weiter auf der Narzissenroute. Klar, worauf die Wahl fiel, oder? Auch klar, dass aus den ursprünglich geplanten 15 Kilometern vermutlich ein paar mehr werden. Ich habe mal einen Screenshot unserer Route in die Bilder gepackt. Der Schlenker unten rechts war zwar schön, aber eigentlich überflüssig.

Es ging dann erstmal ein gutes Stück ziemlich langweilig geradeaus durch
öde Fichtenwälder. Dabei ist uns aufgefallen, dass die Fichtenbestände hier an einigen Stellen ausgedünnt wurden, um Platz für junge Buchen zu schaffen. Der Mensch hilft an dieser Stelle der Natur ein bisschen auf die Sprünge. Denn die Fichte gehört gar nicht in die Eifel. Weil sie aber so schön schnell wächst, war sie für die Holzindustrie interessant und Mensch hat sie überall hingepflanzt. Eigentlich und ursprünglich haben hier im Nationalpark Buchen und andere Laubbäume ihr zu Hause. Und werden es eines Tages auch wieder haben. Die Buche wächst zwar langsam, wird dafür aber größer als die gängige Fichte und setzt sich auf lange Sicht durch.

Den kleinen Exkurs zur Waldkunde beenden wir dann auch mal wieder und wenden uns wieder den Narzissen zu. Denn als wir im Perlenbachtal ankommen, staunen wir nicht schlecht. Die Hänge sind regelrecht gelb vom Blütenmeer. Wenn da die Sonne drauf scheint: Ein sehr hübscher Anblick. Für den nächsten Kilometer brauchen wir sehr lange, weil wir immer wieder Halt machen, um Fotos zu machen. Jetzt ist klar, warum die Narzissenblüte so berühmt ist. Entlang des Perlenbaches spazieren wir dann langsam wieder Richtung Höfen. Der Kilometerzähler hat sich längst über die ursprünglich geplanten 15 gedreht und so sind wir froh, dass wir für den ersten Geocache des Tages keinen Umweg laufen müssen.

An einer kleinen Schutzhütte werden wir schnell fündig, machen es uns aber nicht all zu gemütlich, weil es jetzt nicht mehr weit bis zum Auto ist. Mit Blick auf die Uhr beschließen wir in Höfen irgendwo einzukehren und zu Abend zu essen. Meine leisen Zweifel, ob wir Sonntagabend in der Eifel ein geöffnetes Restaurant finden, behalte ich dabei lieber erstmal für mich.

Tatsächlich laufen wir an zwei geschlossenen Gaststätten vorbei, bevor wir nach einem kurzen aber dafür knackigen Anstieg im Höfener Steakhouse einkehren. Wir sind die einzigen Gäste, fragen aber vorsichtshalber trotzdem nicht, ob es möglich ist, die relativ laute Schlagermusik etwas leiser zu drehen. Die Kellnerin guckte eh schon so grimmig. Also hören wir die meist gewünschten Schlager der Woche, sind froh, dass das Essen schmeckt und wie sich dann herausstellte, ist die Kellnerin eigentlich auch eine Nette.

Mit vollem Bauch und gut 20 Kilometern auf der Wanderuhr kommen wir dann wieder am Auto an. Für die Narzissen im Perlenbachtal ergeht hiermit ein Besuchsbefehl. Schaut Euch das unbedingt mal an!

3 Gedanken zu “Wilde Narzissen

  1. Kurze Hose? Heute? Im T-Shirt? Wart ihr in der Karibik?
    Wir sind froh, dass der Schnee von letzter Nacht wieder weg ist. 😯

    Es muss traumhaft gewesen sein. Jedenfalls den Bildern nach. Einfach nur großartig.
    LG

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