Im wilden Okertal.

Der Wanderpal feiert gerne. Wirklich. Vor allem Karneval. Wahrscheinlich war deshalb auch die Überraschung aller Orten groß, als wir verkündet haben, dieses Jahr die Karnevals-Flucht anzutreten. Für ein paar Tage hieß es Harz statt Kölsch. Der Wanderpal ging Karneval wandern.

Es ist ruhig als wir Morgens aufwachen. Keine Trommel, kein Zimbumm. Nur das leise Kratzen einer Schneeschnaufel auf Asphalt. Der Rosenmontag beginnt ruhig in Altenau. Fast schon ein bisschen besinnlich, wie die Schneeflocken so leise rieseln.
Wir hatten das nicht ganz bedacht, wollten doch wandern und nicht Schlitten fahren. Wer denkt denn als Kölner im Winter schon an Schnee?

Aber in einem kleinen Harzer Bergdorf scheint die Klimawelt noch in Ordnung zu sein. Gut also, dass wir auch dieses Jahr auf Winterreifen am Wanderpalmobil bestanden haben. Und einen Handfeger und Eiskratzer dabei hatten. Bevor es zur Wanderung losgehen konnte, musste erst das Auto von Schnee und Eis befreit werden.

Unser Ziel war das Okertal mit seinen berühmten Klippen und Felsen. Ich habe das mal beim Sacki gesehen und war direkt fasziniert. Es soll einen „Klippensteig“ geben, ein Rundweg oben im Hang, der von Felsen zu Felsen führt. Und für Anja steht auch mal wieder ein Wasserfall zum Fotografieren auf dem Programm.

Die Anfahrt über die vom Schneepflug verdichtete Schneedecke war kurz, denn Altenau liegt quasi am oberen Ende des Tals. Nach nicht mal 15 Minuten stand das Auto auf dem dafür vorgesehenen Wanderparkplatz und wir sind dick eingepackt in den Wald gestartet. Der sah stellenweise ein bisschen gerupft aus, die letzten Stürme haben ganz schön gewütet.

So fiel dann auch unser erster auf dem Weg avisierte Geocache ins Wasser, bzw. den Schnee. Im Hinweis stand „Am Schild“. Bloß war da kein Schild mehr. Nur umgestürzte Bäume und abweisende Ödnis. Seit ich mich ein bisschen mit dem Thema Wald beschäftigt habe, finde ich Sturmschäden gar nicht mehr tragisch. Einem gesunden Wald passiert während eines Sturmes relativ wenig. Was aber monokulturell angebaut oder schlicht in hiesigen Breiten nicht zu Hause ist, fällt dann gerne mal um. Und schafft damit Platz für einen nachhaltigen, gesunden Wald.

Durch eine höher werdende Schneedecke stapfen wir tapfer bergauf, den ersten Felsen entgegen. Die hören auf den schönen Namen „Ziegenrückenklippe“ und waren mit dem ganzen Schnee sehr pitoresk anzusehen. Nur Ziegen gab es leider keine. Wir haben uns natürlich schlau gemacht. Es handelt sich hier um Granit, der durch die sogenannte „Wollsackverwitterung“ seine besondere Form bekommen hat. Keine Ahnung wie das genau funktioniert, klingt aber doch irgendwie nett, oder?

Es geht weiter bergauf. Aber was haben wir im Harz auch anderes erwartet. Alles wie immer. Und wer bergauf geht, der friert zumindest nicht. An der relativ unspektakulären „Teufelsklippe“ habe ich dann nach einer kleinen Klettereinlage den ersten Geocache des Tages loggen können. Auch so ne Sache, mit der wir bei der Urlaubsplanung so nicht gerechnet haben. Schonmal versucht unter einer dichten Schneedecke ne Tupperdose zu finden?

Auf halbem Weg unserer Tour, an den „Kästeklippen“, soll es ein Gasthaus geben. Während wir nun also weiter bergauf liefen, haben wir gleichzeitig von kühlen Bieren, heißen Kraftbrühen und dergleichen geträumt. Wir waren zwar provianttechnisch ganz gut ausgestattet, aber kühles Bier haben wir nur in seltenen Fällen im Rucksack.

Oben angekommen erwartete uns ein eisiger Empfang. Eine ganze Reihe hübscher Eiszapfen hing an der Regenrinne der Kästehütte. Und die wiederum war – natürlich – wegen Umbau geschlossen. Das hat man davon, wenn man in der Nebensaison anreist. Als Entschädigung gab es von den zur Hütte gehörenden Felsen (in Wahrheit gehört natürlich die Hütte zu den Felsen, die waren sicher vorher da) eine sehr hübsche Aussicht ins Tal und auf die verschneiten Wälder der Umgebung.

Jetzt folgten wie an der Perlenschnur gezogen die weiteren Highlights. Über die „Hexenküche“, wo weder Hänsel noch Gretel zu sehen waren, ging es weiter zur „Mausefalle“. Ein hoch interessanter Felshaufen, der tatsächlich wie eine echte Falle aussieht, die jeden Moment zuschnappen könnte. Sehr hübsch das alles.

Auf der „Feigenbaumklippe“ sollte es dann mal wieder einen Geocache geben. Also nichts wie rauf da. Aber auch hier war außer Schnee und einer wirklich tollen Aussicht nichts zu sehen. Und weil da extra schon ein Geländer angebracht war, haben wir auf weitere Klettereinlagen verzichtet.

Jetzt begann ein steiler Abstieg wieder runter ins Tal. Gut, dass wir die Tour anders gelaufen sind, als im Reiseführer vorgeschlagen. Da hätte man nämlich hier hoch gemusst. Keine Ahnung, wie wir das hätten schaffen sollen. Der Weg war wirklich steil, teilweise vereist und wir sind trotz Trekking-Stöcken das eine oder andere Mal ins Rutschen gekommen. Anja hat tatsächlich auch mal kurz die Rutschfähigkeit ihrer neuen Wanderhose ausprobiert.

Unten im Tal sind wir dann mal direkt auf die sehr häßliche Bundesstraße gestoßen. Sehr viel hübscher ist da schon da „Romkehaller Wasserfall“, der sich hier über 50 Meter in die Tiefe ergießt. Nach einer ausgiebigen Fotopause konnten wir unseren Bierdurst dann unverhofft doch noch stillen. Bei der Einkehr im selbsternannten „Königreich Romkehall“ gab es leckeres Altenauer Pils.

Der Wanderweg zweigt hinter dem Königreich ab, jetzt immer an der Oker entlang. Ein hübsches kleines Flüßchen, das immer wieder um große Felsen donnert und in dem es sogar eine kleine Insel mit dem schönen Namen „Verlobungsinsel“ gibt. Da wir aber schon verheiratet sind, gab es hier nichts weiter zu tun, als einen Stempel für die Harzer Wandernadel abzuholen.

Unserer Ankunft zurück am Auto stand jetzt nur noch ein Felsen im Weg, die „Adler-Klippe“. Und auch da mussten wir natürlich hochklettern. Was bei den vereisten Felsen gar nicht so einfach war. Es gilt die Regel: Hoch kommt man meistens und runter immer. Zur Not halt rückwärts.

Wir haben die Tour unversehrt beendet. Und können das Okertal uneingeschränkt weiterempfehlen. Die Felsen sind echt hübsch anzuschauen. Wenn Ihr in der Gegend seid, fahrt da mal hin!

2 Gedanken zu “Im wilden Okertal.

  1. Leider kommentiere ich recht spät; wieder ein wunderbarer Bericht! (Wird eigentlich schon erwartet); und das Tolle: alles selbst erlebt und erfahren, nicht wie bei Karl May, der seine Naturschilderungen nur von anderen abgeschrieben hat.
    Geht bitte weiter viel und oft auf die Walz, damit wir noch viele Berichte lesen können.
    Vorschlag: Kölner Brauhauswanderweg; da ginge ich vieleicht sogar mit.

    Hider

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